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Gnevsdorf

Kirche zu Gnevsdorf

Gnevsdorf, Ortsteil der Gemeinde Ganzlin

 

Die erste schriftliche Erwähnung Gnevsdorfs findet man im Plauer Rechnungsregister von 1449. Dort ist noch von „Gnewestorp“ die Rede. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Dorf des Gnêv“. Es ist aber davon auszugehen, dass dort bereits 200 Jahre zuvor eine dörfliche Siedlung existierte.


Bei der Kaiserbede von 1496 zählte Gnevsdorf 122 Einwohner. Die Geschichte Gnevsdorfs ist eng mit der hiesigen Kirchengeschichte verbunden. Bis zum Jahre 1541 war die Gnevsdorfer Kirche eine Filialkirche, Mutterkirche war die Kirche in Gorgelin. Das Dorf Gorgelin wurde Mitte des 16. Jahrhunderts wüst und somit wurde Gnevsdorf Mutterkirchdorf.

 

Vom Dreißigjährigen Krieg wurde Gnevsdorf weitestgehend verschont. Jedoch wurde Gnevsdorf 1637/1638 von der Pest heimgesucht. In Folge dessen wurde etwa die Hälfte der Hufen wüst und die Felder konnten nicht bestellt werden.

 

Während des Schwedisch-Polnischen Krieges (1655-1660) zogen mehrfach Truppen durch Gnevsdorf. Die Bürger mussten Plünderungen, Zerstörungen, Gewalttaten und Diebstahl über sich ergehen lassen. Ähnlich war es auch im Jahre 1806, als Preußen den Napoleonischen Truppen bei Jena und Auerstädt unterlag und die Bürger unter der Willkür der französischen Soldaten zu leiden hatten.

 

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert zeugen mehrere Beschwerdebriefe der Gnevsdorfer Bauern von unzumutbaren Diensten und Abgaben, die sie zu leisten hatten. Zuerst mussten sie im Plauer Weinberg arbeiten, dann mussten Hofdienste an Hof Reppentin geleistet werden. Das ging so weit, dass die Bauern es nicht mehr schafften, ihre eigenen Felder zu bebauen. Außerdem wurde Gnevsdorf in dieser Zeit mehrfach von Dorfbränden und Viehsterben heimgesucht. Erst 1796 erfolgte eine Einigung zwischen beiden Parteien.

 

1841 erfolgte der Wechsel von der Zugehörigkeit zum Amt Plau an das Amt Lübz. 1872 gab es wie in Wangelin eine neue Gemeindeordnung. Die Einwohner hatten nun mehr Mitspracherecht bei Entscheidungen, denn jede Erbpacht durfte einen Vertreter entsenden. Außerdem wurden die Zeitpachthufen zu Erbpachthufen, was bedeutete, dass die Bauern nun Eigentümer der Gehöfte und Flächen waren. So kam es, dass die Erbpächter zu Wohlstand gelangten. Da die Kirche bereits den Dreißigjährigen Krieg und einige Dorfbrände überstanden hatte, war sie nun baufällig. Außerdem war man der Ansicht, dass sie nicht mehr genügend Platz bietet und ihr Aussehen gänzlich unwürdig erscheint. Deshalb wurde 1895 die neue (heutige) Kirche, deren imposanter Turm von weither sichtbar ist, errichtet und zwei Jahre später geweiht.

 

Ab 1890 hielt auch der technische Fortschritt in Gnevsdorf Einzug. Zwar sanken die Einwohnerzahlen, da Ganzlin auf Grund der Eisenbahnstrecke bessere Möglichkeiten bot, aber 1923 bekam Gnevsdorf elektrisches Licht, was mit einem Lichterfest gefeiert wurde. 1910 gab es schon Grammophone und ab 1910 das erste Auto (Lieferwagen des Bäckers). 1924 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. In Gnevsdorf gab es zu dieser Zeit auch kulturelle Gruppen, wie die Volkstanzgruppe, den Radfahrerverein, den Chor und den Posaunenchor.

 

Zum Ende des ersten Weltkrieges hatte Gnevsdorf 22 Gefallene zu beklagen. 1933 gab es in Gnevsdorf zwei Kolonialwarengeschäfte, einen Schneider, einen Bäcker, einen Malermeister, einen Steinschläger, einen Schuhmachermeister, einen Bauunternehmer, eine Hebamme, eine Gastwirtschaft, zwei Stellmacher und zwei Schmiede. Viele Männer wurden 1939 eingezogen. 1944 erreichten die ersten preußischen Flüchtlinge Gnevsdorf, es lebten auf einem Gehöft bis zu vierzig Menschen. Am 3. Mai 1945 erreichte die Rote Armee Gnevsdorf. Die Menschen litten unter Morden, Gewalttaten und Bränden, einem dieser Brände fiel 1945 auch das 1920 neu erichtete Schulhaus zum Opfer.

 

Am 4. Januar 1951 schlossen sich die Dörfer Gnevsdorf und Wangelin zu einer Gemeinde zusammen. Die fünfziger Jahre waren vor allem geprägt durch die „freiwilligen Zwangsbeitritte“ (nach Provokationen und Bedrängung der Bauern) in die LPG. 1960 waren Gnevsdorf und Wangelin dann vollgenossenschaftlich. 1977 gingen die LPGen aus Gnevsdorf und Wangelin zu Vietlübbe. 1976 wurde der Schulstandort in Gnevsdorf aufgegeben. Alle Schüler gingen fortan in Ganzlin zur Schule.

 

In der Wendezeit wurde der FAL e. V. gegründet, der seitdem viele regionale Projkte umgesetzt hat und viele Menschen im sogenannten 2. Arbeitsmarkt Beschäftigung bot. Die Projekte sind vor allem im touristischen, ökologischen und kulturellen Bereich angesiedelt. So wurde der Lehr- und Erlebnisgarten Wangelin geschaffen, die Seemann-Scheune in Gnevsdorf restauriert und darin das einzige Lehmmuseum Deutschlands eingerichtet, das Pfarrhaus und der Gemeindesaal in Gnevsdorf restauriert, der Lehmbackofen rekonstruiert, das Informations- und Gemeindegebäude im Wangeliner Garten als moderner Lehmbau fertiggestellt, die Feldsteinstraße in Wangelin erneuert, der Wangeliner See zum Naturschutzgebiet entwickelt und mit einem Aussichtspunkt gestaltet und vieles andere mehr.