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Stress an der Saftpresse

Ganzlin, den 12.10.2018

Maschinen laufen auf Hochtouren: Frühe Ernte und viel Obst in Ganzliner Mosterei

„Wir sind ziemlich abgekämpft“, sagt Aron Schoder von der Wunderfeld Lohnmosterei in Ganzlin frei heraus. Die vergangenen Wochen seien anstrengend für ihn und seine Mitarbeiter gewesen. Dann erinnert der 35-Jährige sich an den Herbst 2017: „Da war ich um die Zeit auch ziemlich erschöpft, doch es war anders. Der geringe Umsatz kam hinzu. Es gab keinen Kunden, der mit wirklich viel Obst vorbeikam.“

Saftpresse im Dauerlauf

Und dieses Jahr das Gegenteil. „In den ersten drei Tagen hatten wir den Umsatz des letzten Jahres wieder drin“, erzählt Schoder weiter. Teilweise kamen Aron Schoder und seine acht Mitarbeiter von der Saftpresse gar nicht mehr weg. Auch Nils Schönlau, Philosophie-Student aus Greifswald, arbeitete während der vorlesungsfreien Zeit in der Mosterei mit. „Wir hatten den ganzen Tag zu tun, sechs Tage die Woche. Doch in dem Moment denkst du gar nicht darüber nach, man macht es einfach“, so der junge Mann.

Das Saft-Geschäft in Ganzlin läuft wie folgt: montags, mittwochs und freitags nehmen Aron Schoder und seine Kollegen nach telefonischer Absprache Äpfel, Birnen, Quitten und Co von ihren Kunden an. Nach etwa einer Stunde und mit Aufpreis können sie ihren eigenen, frisch gepressten Saft, abgefüllt in Glasflaschen oder Pappkartons, wieder mitnehmen.

 

Süßer Boskop

Eigentlich würden sie Ende August mit der Kelterei starten, doch wegen der ungewohnt frühen Ernte begannen sie um einiges eher, so Aron Schoder. Er, der nach eigener Aussage selten Kernobst und Saft konsumiert, nennt ein Beispiel: „Am ersten Oktober aß ich einen Boskop-Apfel, der schmeckte so süß, das habe ich noch nicht erlebt. Doch normalerweise ist der erst im November reif, der könnte sogar ersten Frost abbekommen.“

Der Super-Sommer bescherte Obstbauern und Kleingärtnern hohe Erträge. Saft ohne Ende bedeute dies trotzdem nicht, gibt der junge Mostereichef zu Bedenken. „Insbesondere die Äpfel sind durch die intensive Sonneneinstrahlung sehr süß. Doch eben nicht saftig. Äpfel, in die man reinbeißt und der Saft spitzt raus, gibt es dieses Jahr nicht“, so Aron Schoder.

100 Kilo  = 70 Liter Saft

Die Trockenheit habe zwar zu einer früher einsetzenden Ernte geführt. Das Obst an sich enthalte aber weniger Saft, der schließlich in den Flaschen der Kunden landet. „Aus hundert Kilo Äpfeln bekommt man normalerweise siebzig Liter Saft. Dieses Mal waren es aber nur ungefähr sechzig“, drückt es Schoder in Zahlen aus. Letztendlich schätzt er, dass er und seine Kollegen insgesamt 75 000 Liter Saft kelterten.

Alles in allem klingt die Rechnung also ausgeglichen: Mehr Obst als in den Vorjahren, dafür enthalten Äpfel und Birnen einen geringeren Wasseranteil als sonst. Die diesjährige Saftsaison war erfolgreich. Nun kehre allmählich Ruhe auf dem Hof in der Nähe des Ganzliner Bahnhofs ein. In dreieinhalb Wochen soll der letzte Tropfen Saft aus der Zapfsäule laufen. Danach ginge es für den Mostereichef an den Schreibtisch, der „Papierkram“ riefe.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Stress an der Saftpresse