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Ein Material, viele Ideen

Gnevsdorf, den 07.08.2018

„Mit Lehm kann niemand etwas verkehrt machen. Man kann damit bauen, ihn auf die Haut schmieren, zu Kunst verarbeiten …“ Marita Kiehnscherf arbeitet im Lehmmuseum Gnevsdorf, ihre Welt dreht sich hier um das, was die letzte Eiszeit uns aus Skandinavien hier übriggelassen hat. Laut Informationstafel liegt Gnevsdorf auf der „Frankfurter Endmoräne der Weichselvereisung“ – die Gletscher haben hier also ordentlich Geröll aus dem Norden mitgehen lassen und vor unserer damals noch nicht stehenden Haustür quasi abgeladen. So wurde, durch Einwirkung des immensen Eisdrucks, Stein zu Kies und Kies zu Sand und der wiederum zu Lehm.

Je nach Inhalt gibt es den Natur- und Baustoff in gelb, rot und grüner Farbe. Eine Mischung aus Ton und Sand machte das Baumaterial für den Lehmbautag aus, der von Juni bis August jeweils am letzten Samstag des Monats stattfindet. Angenehme 23 Grad herrschen im Inneren des Fachwerkhäuschens, in dem das Lehmmuseum untergebracht ist, Reetdach und Lehminnenwände halten die vergleichsweise kühle Temperatur. Draußen dagegen ist Basteln in sommerlicher Wärme angesagt.

„Wir hatten schon sehr kreative Kinder hier. Da wurden auch schon Kerzenständer gebastelt“, weiß Marita Kiehnscherf. Mit dabei sind heute Anna und Milan mit Mama Lexa und Papa Thomas Feher. Sie sind alle vier aus Dresden hier, machen Urlaub am Plauer See und besuchen das Museum bereits zum zweiten Mal in Folge. Der Ruf des Gnevsdorfer Museums hat sich schon bis runter in ihre Heimatstadt verbreitet. „Wir bekommen hier stets sehr informative Auskunft und sind sehr gut betreut worden“, so fasst es Lexa Feher zusammen. Anna und Milan haben ihrerseits kleine Mini-Häuschen gebaut, mit Stöckchen und Gras das Dach verziert und das Ganze teilweise in blaue Farbe getaucht.

 

Die Sonne und die Luft machen dem Trocknungsprozess Beine, schwer liegen die fertigen Bauexemplare in der Hand. Es kommt noch eine Gruppe Radfahrer bei Prachtwetter aus dem Wangeliner Workcamp, in Sachen Lehm gibt es hier immer noch etwas dazuzulernen. Die Dresdner selbst packen ihr Auto, nehmen sich noch ein paar Äpfel aus dem Hof mit und werden die eigens entworfenen Lehmhäuschen auch nicht vergessen. Gnevsdorfer Andenken. Direkt von der Frankfurter Endmoräne.

– Quelle: https://www.svz.de/20613412 ©2018

 

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