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Matschepampe – ein super Baustoff

Wangelin, den 31.07.2018

Ob es sich Modder, Brambes, Abbelgatsche, Pampe, Mörtel oder Speis nennt – das matschige Gemisch aus Lehm, Sand, Wasser und gehäckseltem Stroh übt offenbar immer wieder eine große Anziehungskraft aus: Der Lehmbautag für Kinder im Wangeliner Garten am vergangenen Sonntag fand überraschend regen Zuspruch. Trotz der großen Hitze spielten sich rund um den zentralen Platz mit seiner von einem Weidendach umsäumten Bühne vielfältige Aktivitäten ab.

Jannes aus Hamburg hatte nach wenigen Handgriffen den Dreh raus: Mit der Kelle ein sattes Mörtelbett legen, den Stein anfeuchten und ihn dann passgenau einbetten. „Mit echten Backsteinen eine Mauer zu bauen, macht großen Spaß“, sagt der Achtjährige strahlend. Als dann noch Nelly (9) aus Berlin dazu kam, ging der Bau der Mauer richtig schnell voran. Auch das Einpassen eines Fenstersturzes machte keine Problem. Mit Bauingenieurin Barbara hatten die beiden Kinder eine fachkundige Anleitung. „Ich habe mich im Laufe meines Arbeitslebens durch viele Praktika auf Lehmbau spezialisiert.“ Lehm sei vielseitig einsetzbar und biete viele Vorteile – „ein toller Baustoff“.

Nebenan baute Alexandra mit den Kindern aus Lehm feuerspeiende Drachen und andere Märchenfiguren, Schildkröten, Giraffen, Obstschalen oder Aschenbecher. Die fertigen Werke ließen sich mit farbigem Papier bekleben oder bunt anmalen. Die Farben wurden von den Kindern unter Anleitung der Künstlerin Andrea Silbermann aus Sand, Kies und Erdpigmenten eigenhändig gemischt. Als Grundfarben standen gelb, grün, rot und blau zur Verfügung – ungiftig und aus natürlichen Erdpigmenten bereitet. Um besser zu haften, wurde aus Natron und Magerquark (Mischverhältnis 1:10) ein Leim hergestellt und den Farben hinzugemischt. Die dreijährige Lia traute sich und wählte für ihre Bilder das tiefe Blau, mischte aber für den gewünschten Pastellton noch etwas weißen Gips hinzu. Mit dieser Farbe tupfte sie einen mit Wolken gefüllten Sternenhimmel auf das Papier.

 

Schwester Soey (8) malte mit ihrem Pinsel bunte Blumen und einen riesigen Schmetterling. Die beiden Mädchen verbringen mit ihren Eltern aus Halle ihren Familienurlaub in Mecklenburg. „Hier waren wir noch nie zuvor.“ Ihre Unterkunft hatten sie bereits vor acht Monaten gebucht – in Ganzlin. „Von dort aus lässt sich in der Region viel unternehmen.“ Den Tipp für den Kinder-Lehmbautag hatten die Hallenser bei der Touristinformation in Plau gefunden. „Der Sonntagabend ist für den Besuch der Müritz-Saga reserviert.“

Uta Herz als Vertreterin der Lehmbaustätte hatte zwei Info-Stände aufgebaut. Dort fanden sich unter anderem das restliche Jahresprogramm für 2018 und eine Bücherauswahl über sämtliche Facetten des Lehmbaus. Ein holländisches Ehepaar erstand dort sogleich zwei Bildbände und besichtigte anschließend den größten Kräutergarten in MV. Im Lehmbaumuseum des Nachbardorfes Gnevsdorf ist noch bis 30. September während der Öffnungszeiten (Dienstag bis Sonntag, 10 - 17 Uhr) eine Fotoausstellung über die Tradition des Lehmbaus in Estland zu besichtigen.
 

– Quelle: https://www.svz.de/20573417 ©2018

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Matschepampe – ein super Baustoff