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Den Lehmbau feiern

Gnevsdorf, den 16.07.2018

Besonders im Süden von Estland leuchten zahlreiche orangefarbene Lehmgebäude. Der Baustoff ist vor Ort zu finden und konkurrenzlos preiswert. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Bauten errichtet: Ställe, Scheunen, Speicher, Werkstätten. Danach folgten drei weitere Bauphasen. Die Lehmwände wurden besser gegen Regenwasser geschützt, die Fundamente verstärkt, und es gelang, Fenster oder Türen rissfrei einzubauen.

In den zwanziger Jahren entstanden dann sogar wohnliche und repräsentative Gutshäuser wie das des ersten Staatspräsidenten Konstantin Päts. Es gab staatliche Förderprogramme, und die Alternative Lehmbau schien etabliert. Doch mit der sowjetischen Besatzung und der Kollektivierung der Landwirtschaft setzten Rückbau und Verfall der meisten Lehmbauten ein. Erst mit der Unabhängigkeit Estlands gab es wieder eine Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe. Die ersten Wiederbelebungsversuche brachten viele Sanierungen und hochwertige Neubauten hervor. 2016 etablierte sich mit „Eestimaaehitus“ eine Organisation, mit der sich große Hoffnungen auf die weitere Entwicklung des Lehmbaus in Estland verbinden.

Mit Unterstützung der Europäischen Union wurde inzwischen ein Kompetenz-, Schulungs- und Entwicklungszentrum eröffnet.

 

Jetzt liefert eine Fotoschau im Gnevsdorfer Lehmmuseum einen Überblick. Die Ausstellungseröffnung war in einen Lehmbautag eingebettet. Bereits am Sonnabendvormittag diskutierten Fachleute aus Estland, der Slowakei und vom Projekt „RegioLehm“ der Hochschule Eberswalde die Frage: „Wie kann unsere ökologische Bauwirtschaft gemeinsam nachhaltiger wachsen?“ Sämtliche Fotos der Ausstellung stammen von Marko Kikas. Nachdem der Este 1993 eine Bauschule absolviert hatte, gründete er 2016 eine Firma, um die estnische Lehmbautradition zu beleben. Die Schau ist noch bis zum 30. September während der Öffnungszeiten (Dienstag bis Sonntag, 10 - 17 Uhr) zu besichtigen.

Bei der Ausstellungseröffnung bescherte das Geschwisterpaar Triin und Kerti Vissel den Gästen leckere Kanapees mit typisch estnischen Spezialitäten, hausgemachtem Käse und Honig. Meel Valk spielte auf dem Bajan, dem russischen Knopf-Akkordeon, traditionelle Klänge und animierte vor allem die Frauen zum Tanzen.
 

– Quelle: https://www.svz.de/20443407 ©2018

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Den Lehmbau feiern