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Töne und Tänze im Grünen

Ganzlin, den 17.07.2018

„Stimmt es? Greg Cohen spielt im Wangeliner Garten?“, fragte jemand am Telefon, bevor das erste Wunderfeld über die Gartenbühnen rollte. Es war wahr, der amerikanische Kontrabassist sollte spielen ebenso wie Saxophonlegende Gerd Dudek – und sie spielten auch. Bekannte Künstler in diversen Konzerten und andere zauberhafte Attraktionen am Tag oder in der Dunkelheit, Angesagtes und zu Entdeckendes waren reichlich aufgeboten.

Dunkelheit im Strohballenhaus war Voraussetzung für den faszinierenden Auftritt von Stein und Videoinstallationen. Begeistert blickt der Geschäftsführer des Vereins zur Förderung angemessener Lebensverhältnisse (FAL), Klaus Hirrich, auf das Ereignis zurück: „Da konnte man wieder runterkommen“, sagt er. Und das war nach dem Schreck der ersten Festivalstunde auch nötig: Lokal begrenzte Regengüsse nämlich gingen auf die sommerliche Weidenbühne nieder. Kurz vor Auftritt des Gerd Dudek Quartetts am Freitagabend lagen also die Nerven der Organisatoren erst einmal blank. Alles, das gesamte Equipment, musste unter Dach und Lehmgefach umziehen.

So fing es an. Dann aber nahm das Festival seinen Lauf und endete an Tag drei mit zwei bemerkenswerten Höhepunkten: Eine gewisse Symbolik hatte der gemeinsame Auftakt der Matinee dank der Jagdhornbläser um den Ur-Wangeliner Hans Heinrich Jarchow. Im feierlichen Schwarz-Weiß wie seit jeher nahmen die sechs traditionellen Bläser vor der Weidenbühne Aufstellung. Improvisationskünstler Warnfried Altmann, lange Haare, wehendes weißes Hemd, begleitete die Bläser auf der Klarinette.

 

Aber ein kleines Wunder in der Verbindung von Musik und Tanz schloss sich an. Seit den achtziger Jahren schon arbeiten der Percussionist Hermann Naehring und Warnfried Altmann sporadisch zusammen. Rechts und links auf der Bühne stand auch heute wieder Naehrings ausladendes „Werkzeug“, darunter völlig ausgefallene Klanggeber. Viele Dinge tönen.

Naehring gab dann die Ouvertüre mit einem Trommelsolo, Altmann fiel ein: melodische Sequenzen, dann die Lust am musikalischen Bruch, was heißt, an Tonfolgen, wie man sie aus der Harmonielehre eben nicht kennt.
Der Tänzer dazu war Julian Schilling. Als Vierjähriger kam er aus Laos mit den Eltern, die vor den Pathet Lao fliehen mussten, in Deutschland an. Noch im Grundschulalter begann die Tanzausbildung in Hamburg. Jetzt sahen wir ihn, den gereiften Tänzer, in einer zwischen Mann und Frau changierenden, grenzgängerischen Performance. Besonders berührend war der erste Teil, als sich traditionelle ostasiatische Tanzfiguren mit Formen des klassischen Balletts verbanden. Das staunende Publikum sah einen zierlichen, aber ungeheuer kraftvollen Tänzer, der seinen Körper von den Finger- bis zu den Fußspitzen mit Ausdruck erfüllen konnte. Man musste es gesehen haben.
 

– Quelle: https://www.svz.de/20452607 ©2018

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Töne und Tänze im Grünen