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Gülleregen im Naturschutzgebiet – Quelle: https://www.svz.de/20335152 ©2018

Buchberg, den 04.07.2018

Wangeliner ertappten Landwirtschaftsbetrieb bei einer Umweltsünde – die Geschichte dahinter.

Als Andrea Silbermann an diesem Donnerstagmorgen vor die Haustür ging, traute sie ihrer Nase kaum. Die Luft in Wangelin roch nach Tierkot. „Es war früh um 10 und es stank unerträglich nach Gülle. Wir sind landwirtschaftliche Gerüche gewohnt, aber das war anders“, sagt die Wangelinerin.

Nicht nur Silbermann war erschrocken über den Gestank. Anwohnerin Ute Ederle stand zur gleichen Zeit auf dem Balkon ihres Hauses und blickte über das Naturschutzgebiet „Wangeliner See“. Dort befinden sich weite Flächen, die unter strengen Auflagen landwirtschaftlich genutzt werden dürfen. Doch was Ederle am Horizont sah, war offensichtlich nicht erlaubt. „Ein Traktor mit Tankwagen ließ große Mengen Gülle einfach in das Naturschutzgebiet ab. Wie eine große Fontäne“, sagt sie. Ederle und ihr Mann zückten das Handy und filmten den Vorgang.

Währenddessen hatte auch Andrea Silbermann den Traktor entdeckt. Sie wollte den Landwirt zur Rede stellen und rannte in das Naturschutzgebiet. Knöcheltief watete sie durch die Gülle getränkte Wiese und stellte sich dem Traktor in den Weg. „Ich dachte in dem Moment, jetzt steigt ein großer Landwirt aus. Doch heraus kam ein holländischer Jugendlicher“, sagt Silbermann. Sie forderte den jungen Mann auf, den Güllehahn zuzudrehen. Doch dieser wusste nicht, dass er etwas Verbotenes tut. Er gab ihr eine niederländische Telefonnummer. Andrea Silbermann rief an: „Ich sagte dem Chef des Jungen, dass er hier illegal Gülle in ein Naturschutzgebiet ablässt. Daraufhin fuhr der Junge zurück in den Milchhof nach Vietlübbe“, sagt Silbermann.

 

Die Wangeliner sind wütend. Nicht nur über den Gestank, sondern auch über die Umweltverschmutzung. Der langjährige Anwohner Warnfried Altmann sagt zu dem Vorfall: „Wir sind nach Wangelin gezogen, um das Landleben zu genießen und mit dem Wangeliner Garten etwas aufzubauen. Diese Idylle darf nicht vergiftet werden.“ Zwölf Wangeliner erstatteten bei der Polizeiinspektion Plau am See Anzeige gegen den Milchhof Vietlübbe und Geschäftsführer Peter Steenwijk. „Wir haben die Beweise gesammelt und auch das Video erhalten. Aber wir haben den Fall an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises weitergereicht, weil es sich nicht um ein Strafverfahren, sondern eine Ordnungswidrigkeit handelt“, sagt Polizeisprecher Klaus Wiechmann.

Stefan Labes vom Fachdienst Natur- und Umweltschutz bestätigte, dass ein Verfahren eingeleitet wurde: „Es handelt sich um einen Verstoß gegen die naturschutzrechtlichen Vorgaben innerhalb eines Naturschutzgebietes, den wir prüfen“. Laut Katalog droht dem Landwirt ein Bußgeld von maximal 50 000 Euro.

Der beschuldigte Milchbauer Peter Steenwijk ist reumütig und entschuldigt sich für den Vorfall. „Ich war zu diesem Zeitpunkt bei meiner Familie in Holland. Ein junger Mitarbeiter wusste es nicht besser, und deshalb kam es zu diesem unglücklichen Ereignis“, sagt er.

Die Wangelinerin Ute Kaiser reagiert zwar skeptisch auf diese Begründung, möchte aber ins Gespräch mit dem Landwirt kommen: „Wir brauchen auf jeden Fall mehr Dialog miteinander“. Auch Peter Steenwijk ist dafür offen: „Ich möchte gerne mit den Wangelinern sprechen und würde die Anwohner auch zu einer Führung in den Milchhof einladen“.
 

 

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Gülleregen im Naturschutzgebiet – Quelle: https://www.svz.de/20335152 ©2018