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Kindertag im Lehmmuseum

22.06.2018

GNEVSDORF Seine Gestalt war aus Lehm geformt, aber viel größer als ein Mensch. Als er zum Leben erweckt wurde, war seinen Schöpfern nicht unbedingt klar, welche Folgen das nach sich ziehen sollte. Die Rede ist von einer Legende, vom Golem.

Der komplette Kindertag im Gnevsdorfer Lehmmuseum war gestern seiner Geschichte gewidmet. Unter Anleitung und Ermutigung durch die Künstlerin Andrea Silbermann (Theaterplastik, Grafik-Design) manschten die Kinder kreativ nach Herzenslust mit dem erdigen Werkstoff herum, um ihrem Golem die Gestalt ihrer Fantasie zu geben. Die dabei entstandenen Figuren durften mit nach Hause genommen werden.

Parallel dazu gab es Geschichten um den Mythos des Golem zu hören. „Golem – eine Prager Legende“ hieß das Buch von Jean Villemin, aus dem Winfried Altmann spannend vorlas. Auch Mirjam Pressler hatte sich an die seit dem 17. Jahrhundert überlieferte Geschichte gehalten, in der vom Prager jüdischen Geistlichen Löw ein Diener erschaffen wurde, der ihm am Sabbat die Alltagsarbeiten abnehmen sollte. Auch sollte sein Golem durch die Stadt streifen und Verdächtige kontrollieren, die den Juden Ritualmorde an Kindern anlasten wollten. Einmal war vergessen worden, den Golem schlafen zu schicken, worauf er durch die Stadt raste und große Zerstörungen anrichtete. Als ihn Rabbi Löw stoppen konnte, zerfiel er wieder zu Lehm. In der Zeit der Romantik nutzten Schriftsteller den üblichen Antisemitismus, um den Golem als Sinnbild für stupide Gewalt zu verunglimpfen. Er wurde Hauptdarsteller in Theaterstücken und Fantasie-Romanen, seine Geschichte wurde sogar mehrmals verfilmt.

Kinder waren herzlich dazu eingeladen, den Geschichten zu lauschen oder auch selber Bücher über den Golem in die Hand zu nehmen. Der Museumsladen hatte dazu beispielsweise den Comicroman „Lehmriese lebt!“ zur Verfügung gestellt. Darin hat Anke Ruhl eine Geschichte über zwei Kinder aufgezeichnet, die selbst einen Golem bauen, der über Nacht wundersam zum Leben erweckt wird und allerlei Unsinn anstellt.

Das Lehmmuseum Gnevsdorf widmete am Kindertag eine ganze Abteilung zum Lehm in den Sagen und Mythen der Völker. Damit wollte das Museum auch das Lesen fördern und den Kindern einen Zugang zu natürlichen Materialien ermöglichen. Für Kinder und deren Eltern war die Teilnahme am Golem-Tag kostenfrei, es wurde jedoch um eine Materialspende gebeten.

 

Autor und Fotograf: Horst Kampe, freier Journalist,

 

0179 / 694 33 45
 

Foto: Ein Golem wie aus dem Bilderbuch.